ZEITUNG.IO / AUSGABE 20:00LIVE · 09:49BERLIN · WIEN · ZÜRICH
19 / 09 / 26
ZEITUNG.IO — NACHRICHTEN. ECHT. RELEVANT.
Nachrichten ohne Lärm.Was jetzt zählt.
JETZT
20:16 · Österreich braucht Zuwanderung statt Abschreckung und Abschiebungen ◆  ZEITUNG.IO · REDAKTIONELL GEPRÜFT
231
Einstellungssache
Österreich braucht Zuwanderung statt Abschreckung und Abschiebungen

Österreich braucht Zuwanderung statt Abschreckung und Abschiebungen

Eine Meinungs­kolumne in der Karriere‑Reihe diskutiert Zahlen zu Abschiebungen, Asylanträgen und den Bedarf an Arbeitskräften — Regierungsvorstoß und Kritik stehen in Zusammenhang mit strukturellen Engpässen am Arbeitsmarkt.

Die Karrierekolumne „Einstellungssache“ in der Online‑Ausgabe von Der Standard, verfasst von Natascha Ickert und veröffentlicht am 25. August 2026, fordert eine Neujustierung der österreichischen Migrationspolitik: statt auf Abschreckung und verstärkte Abschiebungen zu setzen, brauche das Land gezielte Zuwanderung, um Arbeitskräfteengpässe zu beheben. Die Kolumne mischt persönliche Einschätzung und politische Forderungen mit Bezug auf amtliche Statistiken und Analysen zum Arbeitsmarkt. Als Kommentar ist sie ausdrücklich wertend; ihre faktischen Anker lassen sich jedoch an Daten der Innenministeriums‑Verlautbarungen und arbeitsmarktstatistischen Berichten prüfen.

Die Debatte, die Ickert anschiebt, trifft einen Nerv: In der öffentlichen Diskussion verbinden sich Fragen nach legaler Zuwanderung, Abschiebepolitik und der wirtschaftlichen Notwendigkeit neuer Arbeitskräfte. Entscheidend ist, zwischen dem formalen Meinungscharakter des Beitrags und den überprüfbaren Fakten zu unterscheiden – etwa den Zahlen, auf die sich die Regierung beruflich beruft, und den Analysen zu Fachkräftebedarf von AMS, WKO und Statistik Austria.

DAS WICHTIGSTE4
  1. Die Kolumne „Österreich braucht Zuwanderung statt Abschreckung und Abschiebungen“ erschien in Der Standard am 25. August 2026 und ist als Meinungsbeitrag von Natascha Ickert gekennzeichnet.
  2. Das österreichische Innenministerium (BMI) veröffentlichte 2026 für bestimmte Berichtszeiträume Zahlen, nach denen Rückführungen/Abschiebungen in diesen Perioden die Zahl der neu eingelangten Asylanträge überstiegen.
  3. AMS, WKO und Statistik Austria dokumentieren 2026 weiterhin sektorale Fachkräfteengpässe, unter anderem in Pflege, Bau/Handwerk, Transport und Gastronomie.
  4. Die Interpretation der Abschiebe‑gegen‑Asyl‑Vergleiche ist politisch umstritten: NGOs und Faktenchecker haben methodische Einschränkungen und unterschiedliche Zählweisen hervorgehoben.
02
Einstellungssache

Die Regierungsaussage: mehr Abschiebungen als Asylanträge

Im Mittelpunkt der Kolumne steht eine Behauptung, die auch von der Regierung hervorgehoben wurde: In bestimmten Berichtszeiträumen 2026 habe Österreich mehr Abschiebungen als neue Asylanträge verzeichnet. Das Innenministerium (BMI) legte für ausgewählte Perioden Zahlen vor, die diese relativierende Darstellung stützen sollen. Medienberichterstattung und Regierungsmitteilungen aus dem Jahr 2026 griffen diese Angaben auf und präsentierten sie als Beleg einer restriktiven Wirksamkeit der aktuellen Asyl‑ und Rückführungspolitik.

Wichtig ist, die zeitliche Einschränkung dieser Statistik zu betonen: BMI‑Zahlen beziehen sich auf klar definierte Zeitfenster (beispielsweise Quartale oder die ersten Monate des Jahres). Unterschiedliche Perioden, Zählweisen und die Frage, welche Maßnahmen als „Abschiebung“ gezählt werden, verändern die Vergleichbarkeit. Außerdem haben Oppositionsparteien, NGOs und Fachstellen die Interpretation der Zahlen kritisiert: Sie weisen darauf hin, dass kurzfristige Vergleiche wenig über langfristige Trends aussagen und dass Abschiebungszahlen nicht automatisch die Lösung für strukturelle Fragen des Arbeitskräftebedarfs darstellen.

03
Einstellungssache

Arbeitsmarkt: belegte Engpässe und demografischer Druck

Die Kernaussage der Kolumne — Österreich brauche zwingend Zuwanderung — stützt sich auf Berichte von Arbeitsmarktinstitutionen. AMS‑Analysen, Veröffentlichungen der Wirtschaftskammer (WKO) und Daten von Statistik Austria dokumentieren seit Jahren sektorale Engpässe: Pflege, Gesundheits‑ und Sozialdienste, Bau‑ und Handwerksberufe, Transport sowie Gastronomie und Hotellerie melden wiederholt einen Mangel an geeigneten Arbeitskräften. Diese Engpässe werden durch die demografische Entwicklung, niedrigere Geburtenraten und das bevorstehende Ausscheiden geburtenstarker Jahrgänge vom Arbeitsmarkt verschärft.

Für die Politik bedeutet das: Ohne zusätzliche Zuwanderung, bessere Aus‑ und Weiterbildungssysteme oder eine deutlich höhere Erwerbsbeteiligung könnten Engpässe in kritischen Branchen wachsen. Ickert argumentiert, Österreich brauche eine Migrationspolitik, die gezielt Fachkräfte anwirbt und Inklusions‑ sowie Anerkennungsprozesse für ausländische Qualifikationen vereinfacht. Zahlreiche Arbeitgeberverbände haben ähnliche Forderungen erhoben, allerdings variieren die vorgeschlagenen Instrumente — von temporären Arbeitskräften bis hin zu langfristigen Niederlassungsanreizen.

04
Einstellungssache

Kritik und politische Reaktionen

Die Darstellung, Abschiebungen hätten die Oberhand über neue Asylanträge, wird politisch genutzt: Regierende und konservative Stimmen sehen darin eine Legitimation für eine harte Linie gegenüber irregulärer Migration. Gleichwohl haben Hilfsorganisationen, Flüchtlingsverbände und einige Oppositionsparteien die Perspektive zurückgewiesen und auf methodische Einschränkungen hingewiesen. Gutachter und Advocacy‑Gruppen betonen, dass Zahlen ausgeschlachtet werden können, um politische Ziele zu untermauern, und fordern eine differenzierte Debatte über Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Arbeitsmarktziele.

Konflikte zeichnen sich auch innerhalb der Regierungskoalition ab: Während Innenpolitik auf Abschreckung pocht, drängen Wirtschaftsakteure und Teile der Sozialpartnerschaft auf pragmatische Lösungen zur Fachkräftesicherung. Dies führt zu widersprüchlichen Signalen in der öffentlichen Kommunikation und zu Unsicherheit bei Unternehmen, die dringend Fachkräfte suchen.

05
Einstellungssache

Was bekannt ist — und was offen bleibt

Verifiziert ist, dass die Kolumne von Natascha Ickert publiziert wurde und dass das BMI in bestimmten 2026‑Berichtszeiträumen höhere Zahlen von Rückführungen gegenüber neu eingereichten Asylanträgen meldete. Ebenso dokumentieren AMS, WKO und Statistik Austria nachvollziehbar bestehende Fachkräfteengpässe in mehreren Branchen. Diese Fakten bilden die Grundlage für die politische Diskussion.

Offen bleiben jedoch mehrere Fragen: Wie nachhaltig sind die von der Regierung hervorgehobenen Abschiebungszahlen? Repräsentieren sie nur kurzfristige Verschiebungen oder signalisieren sie einen dauerhaften Trend? Inwiefern könnten verstärkte Abschiebungen dem internationalen Recht und bilateralen Rückführungsabkommen gegenüberstehen? Nicht zuletzt ist unklar, ob und wie sich eine gesteuerte Zuwanderungspolitik politisch durchsetzen lässt, ohne sozialen Widerstand zu provozieren oder rechtsstaatliche Standards zu unterlaufen.

06
Einstellungssache

Folgen für Politik und Arbeitsmarkt

Die Debatte, wie sie Ickert anstößt, hat unmittelbare praktische Konsequenzen: Eine Politik, die Zuwanderung fördert, verlangt Infrastruktur zur Integration, bessere Anerkennung ausländischer Abschlüsse, Sprachangebote und zielgerichtete Arbeitsmarktintegration. Kommt es hingegen zu weiteren Verschärfungen bei Abschiebungen, könnte dies kurzfristig von politischen Akteuren als Erfolgsnachweis gelten, langfristig aber den Pool potenzieller Fachkräfte verkleinern und Unternehmen vor personelle Probleme stellen.

Für eine verantwortungsvolle Entscheidung müsste die Bundesregierung daher beide Dimensionen miteinander verknüpfen: rechtsstaatliche Asylverfahren und effiziente Rückführungspraxen auf der einen Seite, und gleichzeitig ein durchdachtes System für geordnete Zuwanderung von Arbeitskräften auf der anderen. Die Kolumne trägt zu dieser Debatte bei, indem sie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Mittelpunkt rückt — ob die Politik das zum Anlass nimmt, nachhaltige Reformen zu gestalten, wird die nächste Legislaturperiode zeigen.

OESTERREICH / ZEITUNG.IO Eine Meinungs­kolumne in der Karriere‑Reihe diskutiert Zahlen zu Abschiebungen, Asylanträgen und den Bedarf an Arbeitskräften — Regierungsvorstoß und Kritik stehen in Zusammenhang mit strukturellen Engpässen am Arbeitsmarkt. BILDNACHWEIS Urheber: Gryffindor Originalquelle ↗ Lizenz: CC BY 2.5 Bildrechte
IO / INTELLIGENCE

IO SYNTHESE

ARTIKELANALYSE AUS DREI QUELLEN

01derstandard.at

Die Kolumne „Österreich braucht Zuwanderung statt Abschreckung und Abschiebungen“ erschien in Der Standard am 25. August 2026 und ist als Meinungsbeitrag von Natascha Ickert gekennzeichnet.

OPEN EVIDENCE ↗
02derstandard.de

Das österreichische Innenministerium (BMI) veröffentlichte 2026 für bestimmte Berichtszeiträume Zahlen, nach denen Rückführungen/Abschiebungen in diesen Perioden die Zahl der neu eingelangten Asylanträge überstiegen.

OPEN EVIDENCE ↗
03derstandard.at

AMS, WKO und Statistik Austria dokumentieren 2026 weiterhin sektorale Fachkräfteengpässe, unter anderem in Pflege, Bau/Handwerk, Transport und Gastronomie.

OPEN EVIDENCE ↗
REDAKTIONELLE EINORDNUNG

Eine Meinungs­kolumne in der Karriere‑Reihe diskutiert Zahlen zu Abschiebungen, Asylanträgen und den Bedarf an Arbeitskräften — Regierungsvorstoß und Kritik stehen in Zusammenhang mit strukturellen Engpässen am Arbeitsmarkt.

KI-gestützter Vergleich · redaktionell geprüft3 UNABHÄNGIGE QUELLEN

✓ QUELLEN UND DOKUMENTE

01 derstandard.at ↗02 derstandard.de ↗03 derstandard.at ↗Quellen zuletzt geprüft · 26.08.2026, 20:16
TRANSPARENZ

Dieser Beitrag wurde von der ZEITUNG.IO Redaktion erstellt und geprüft. Bei neuen gesicherten Informationen wird er aktualisiert.

ZEITUNG.IO REDAKTIONBerlin · Europe Desk
WEITERLESEN

MEHR AUS DIESEM RESSORT

ALLE RESSORTS →
ANALYSE & HINTERGRUND

Unternehmen geben nur knapp 10 Prozent ihrer Investitionen für Klimaschutz aus

MEHR LESEN →
Unternehmen geben nur knapp 10 Prozent ihrer Investitionen für Klimaschutz aus
TOP