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01:56 · Nordadria war einst ein attraktiver Siedlungsraum ◆  ZEITUNG.IO · REDAKTIONELL GEPRÜFT
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Submerged heritage
Nordadria war einst ein attraktiver Siedlungsraum

Nordadria war einst ein attraktiver Siedlungsraum

Eine neue Paläolandschaftsrekonstruktion für das nördliche Adriabecken zeigt, wie ausgeprägte Feuchtgebiete zwischen etwa 9000 und 4000 cal BC entstanden und später durch den Meeresspiegelanstieg überflutet wurden. Für die Archäologie eröffnen sich damit neue Suchräume – zugleich bleiben methodische Grenzen und Erhaltungsfragen vielerorts ungeklärt.

Eine internationale Forschungsarbeit, veröffentlicht 2026 in Quaternary Science Reviews (DOI: 10.1016/j.quascirev.2026.110206), hat die Paläolandschaften des nördlichen Adriatischen Beckens für die Zeit von rund 9000 bis 4000 cal BC detailliert rekonstruiert. Die Studie, deren Erstautor Samuele Ongaro ist und die in Kooperation zwischen der University of Southampton und dem italienischen Istituto Nazionale di Oceanografia e di Geofisica Sperimentale (OGS) entstand, kombiniert bereits publizierte Bohrkernbefunde mit neuen geophysikalischen Hochauflösungsdaten. Die Ergebnisse legen nahe, dass ausgedehnte Barrieresysteme, Back‑Barrier‑Lagunen, Marschen und Deltabereiche dominierte Lebensräume bildeten, bevor sie schrittweise vom ansteigenden Meer überflutet wurden.

Die Autoren präsentieren Inundationsmodelle und Kartierungen von Ablagerungsumgebungen, die detaillierte Bilder des hochmittelholocänen Küstenraums liefern. Solche Rekonstruktionen sind nicht nur geologisches Interesse, sondern beeinflussen auch, wo man nach archäologischen Fundplätzen auf dem Meeresboden suchen sollte. Pressemitteilungen der beteiligten Institute sowie Medienberichte in Italien und Österreich haben die Arbeit in den letzten Tagen zusammengefasst; die Primärpublikation bietet die vollständigen methodischen Angaben und Ergebnisse.

DAS WICHTIGSTE5
  1. Die Studie 'Palaeolandscape reconstructions for the Northern Adriatic' erschien 2026 in Quaternary Science Reviews (DOI:10.1016/j.quascirev.2026.110206).
  2. Erstautor Samuele Ongaro und Ko‑Autoren aus der University of Southampton und dem italienischen OGS rekonstruierten Landschaften für ca. 9000–4000 cal BC.
  3. Methoden: Kombination aus veröffentlichten Sedimentkernen, neuen geophysikalischen Hochauflösungsdaten und Inundationsmodellen.
  4. Hauptergebnis: Extensive Küsten‑ und Feuchtgebiete bestanden im Früh‑ und Mittelholozän, die potenziell attraktive Lebensräume für Mesolithikum‑ und Frühneolithikum‑Gruppen waren, bevor sie durch Meeresspiegelanstieg überflutet wurden.
  5. Die Studie liefert Orientierungspunkte für künftige Unterwassersuchen, betont aber Unsicherheiten durch lückenhafte Kernverteilung, Dating‑Punkte und lokale Meeresspiegel‑Annäherungen.
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Methoden: Sedimentkerne, Geophysik und Modelle

Die Studie nutzt eine kombinierte Methodik: vorhandene und neue Sedimentkerne liefern stratigraphische und paläoökologische Daten, während geophysikalische Messungen—Multibeam‑Bathy metrie, Sub‑Bottom‑Profiling und andere seismische Methoden—Feinstrukturen des Meeresbodens sichtbar machen. Auf dieser Grundlage modellierten die Forschenden die Inundationsgeschichte und differenzierten Ablagerungsräume wie Barrieresedimente, Lagunensubstrate oder Marschablagerungen.

Solche multiproxy‑Ansätze sind in der marinen Paläoumweltforschung Standard, erlauben aber nur so gute räumliche Rekonstruktionen wie die Verteilung der Kerne und die Auflösung der geophysikalischen Daten es zulassen. Die Autoren betonen in ihrer Arbeit, dass regionale heterogene Prozesse—etwa lokale Sedimentversorgung, Flussdynamik und tektonische Hebung oder Senkung—zusätzlich die lokale Ausprägung der Landschaft bestimmten.

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Archäologische Implikationen: attraktive Nahrungsräume und Suchstrategien

Aus archäologischer Sicht ist die zentrale Schlussfolgerung, dass die rekonstruierten Feuchtgebiete während des Früh‑ und Mittelholozäns potenziell attraktive Siedlungs‑ und Nutzungsräume für Jäger‑Sammler‑Gruppen und für die sich ausbreitende neolithische Lebensweise waren. Solche Küsten‑ und Brackwasserhabitate bieten vielfältige Ressourcen: Fischerei, Wasservögel, pflanzliche Rohstoffe aus Marschen und Zugang zu Rohstoffen wie Schlick‑Tonen oder Feuersteinen an Flussmündungen.

Die Studie liefert damit Hinweise, in welchen geomorphologischen Lagen man nach versunkenen Mesolithikum‑ und Frühneolithikum‑Stätten suchen sollte: insbesondere in ehemaligen Back‑Barrier‑Lagunen, in Mündungsbereichen alter Flussläufe und in geschützten Schelfzonen, die zu Lebzeiten der Menschen noch terrestrischen oder brackischen Charakter hatten. Allerdings handelt es sich dabei um Indizien, nicht um direkte Belege für konkrete Lagerplätze.

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Erhaltungsbedingungen und Unsicherheiten

Ein zentrales Problem bei der Interpretation versunkener Landschaften ist die Erhaltung archäologischer Materialien. Marine Prozesse können organische Überreste zerstören, verlagern oder konservieren—je nach Sedimentationsrate und Sauerstoffbedingungen. Die Autoren heben hervor, dass manche Lagunen‑ und Marschsubstrate günstige anaerobe Bedingungen schaffen können, die organische Materialien erhalten; andere dynamische Zonen hingegen eher erosiv wirken.

Zudem bestehen methodische Grenzen: Die räumliche Abdeckung der verfügbaren Kerne ist lückenhaft, Datierungen beruhen auf punktuellen Radiokarbon‑Alterungen und die Modelle müssen Annahmen zu lokalen Relativ‑Meeresspiegelverläufen und Sedimentzufuhr treffen. Solche Unsicherheiten bedeuten, dass die Karten eher wahrscheinliche Szenarien als exakte Replikate der prähistorischen Küste darstellen.

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Konsequenzen für Forschung, Denkmalschutz und Technik

Für die Archäologie folgt aus der Arbeit eine klare Aufforderung: maritime Suchstrategien müssen gezielter werden. Die Kombination aus geophysikalischer Vorerkundung, gezielten Kernbohrungen und in situ‑Untersuchungen (z. B. Tauch‑ oder ferngesteuerte Prospektionen) sollte Priorität erhalten, um potenzielle Fundschichten zu verifizieren. Die Forscher nennen keine neuen Fundplätze, sondern geben ein wissenschaftlich begründetes Raster vor, in dem solche Suchen sinnvoll sind.

Darüber hinaus hat die Studie Implikationen für den maritimen Denkmalschutz. Versunkene prähistorische Landschaften liegen heute im Arbeitsbereich von Fischerei, Schifffahrt und Offshore‑Infrastrukturen; bisher existieren kaum flächendeckende Instrumente zum Schutz solcher Unterwasser‑Kulturgüter. Die Autoren und die beteiligten Institute OGS und University of Southampton plädieren in ihren öffentlichen Mitteilungen für verstärkte interdisziplinäre Kooperation und für Integration der Ergebnisse in räumliche Planungen und Schutzstrategien.

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Ausblick: gezielte Feldarbeiten und offene Fragen

Die Studie eröffnet konkrete nächste Schritte: systematische Schiffeareale‑Vermessungen, zusätzliche Bohrungen zur Feinchronologie und mikroarchäologische Analysen von Sedimentproben könnten bestätigen, ob und in welchem Maße menschliche Aktivitäten auf dem Meeresboden erhalten sind. Ferner ist eine engere Verzahnung mit terrestrischen Fundstellen erforderlich, um kulturelle und ökonomische Verbindungen zwischen Festland‑ und Küstenräumen zu rekonstruieren.

Wichtig bleibt, dass Interpretationen zur Anwesenheit von Menschen in bestimmten Substraten vorsichtig formuliert werden müssen. Die neuen Modelle geben ein wertvolles Orientierungsnetz, ersetzen aber nicht die direkte archäologische Evidenz. Die Veröffentlichung stellt deshalb weniger eine finale Kartierung als einen methodischen und konzeptionellen Rahmen dar, der Forschung und Denkmalschutz im nördlichen Adriaraum neu fokussieren kann.

DIGITAL / ZEITUNG.IO Eine neue Paläolandschaftsrekonstruktion für das nördliche Adriabecken zeigt, wie ausgeprägte Feuchtgebiete zwischen etwa 9000 und 4000 cal BC entstanden und später durch den Meeresspiegelanstieg überflutet wurden. Für die Archäologie eröffnen sich damit neue Suchräume – zugleich bleiben methodische Grenzen und Erhaltungsfragen vielerorts ungeklärt. BILDNACHWEIS Urheber: Andrew Nash Originalquelle ↗ Lizenz: CC BY-SA 2.0 Bildrechte
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ARTIKELANALYSE AUS DREI QUELLEN

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Die Studie 'Palaeolandscape reconstructions for the Northern Adriatic' erschien 2026 in Quaternary Science Reviews (DOI:10.1016/j.quascirev.2026.110206).

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Erstautor Samuele Ongaro und Ko‑Autoren aus der University of Southampton und dem italienischen OGS rekonstruierten Landschaften für ca. 9000–4000 cal BC.

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03nordnesrepublikken.no

Methoden: Kombination aus veröffentlichten Sedimentkernen, neuen geophysikalischen Hochauflösungsdaten und Inundationsmodellen.

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REDAKTIONELLE EINORDNUNG

Eine neue Paläolandschaftsrekonstruktion für das nördliche Adriabecken zeigt, wie ausgeprägte Feuchtgebiete zwischen etwa 9000 und 4000 cal BC entstanden und später durch den Meeresspiegelanstieg überflutet wurden. Für die Archäologie eröffnen sich damit neue Suchräume – zugleich bleiben methodische Grenzen und Erhaltungsfragen vielerorts ungeklärt.

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01 science.orf.at ↗02 eurekamag.com ↗03 nordnesrepublikken.no ↗Quellen zuletzt geprüft · 27.08.2026, 01:56
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