Das ifo‑Institut meldet in einer Pressemitteilung vom 8. Oktober 2026 einen leichten Anstieg des Jimdo‑ifo‑Geschäftsklimaindex für Solo‑Selbständige und Kleinstbetriebe. Der Index verbesserte sich demnach von −19,7 im August auf −18,8 im September. Die Veränderung signalisiert eine marginale Aufhellung der Stimmung unter den Befragten, bleibt aber tief im negativen Bereich.
Parallel zu dieser Stimmungsaufhellung weist das ifo‑Institut jedoch auf eine deutliche Verschlechterung beim Zugang zu Bankkrediten für diese Unternehmensgruppe hin. Für das dritte Quartal 2026 berichteten 54,4 Prozent der Solo‑Selbständigen und Kleinstunternehmen, die Kreditverhandlungen führten, von erschwerten Bedingungen – ein Anstieg gegenüber 44,8 Prozent im vorangegangenen Quartal. Damit bleibt der Kreditkanal für viele Einpersonen‑ und Kleinstbetriebe belastet, selbst wenn die generelle Stimmung leicht besser geworden ist.
- ifo‑Pressemitteilung veröffentlicht am 8. Oktober 2026.
- Jimdo‑ifo‑Geschäftsklimaindex für Solo‑Selbständige stieg von −19,7 (Aug) auf −18,8 (Sep) 2026.
- 54,4 % der Solo‑Selbständigen/Mikrounternehmen, die Kreditverhandlungen führten, berichteten im Q3 von erschwerten Bedingungen (vorher 44,8 %).
- Anteil der Selbständigen, die Kredite verhandelten, sank auf 7,8 % (vorher 9,3 %); Anteil der insgesamt erschwerten Kreditverhandlungen in der Gesamtwirtschaft fiel auf 32,8 %.
Was die Zahlen genau zeigen
Die veröffentlichten Kennzahlen sind knapp, aber aussagekräftig: Der Jimdo‑ifo‑Index misst seit August 2021 regelmäßig die Geschäftslage und -erwartungen von Soloselbständigen und Betrieben mit weniger als neun Beschäftigten. Der Wert von −18,8 im September bedeutet, dass die Zahl der pessimistisch gestimmten Akteure weiterhin deutlich überwiegt, obwohl sich der Saldo im Monatsvergleich verbessert hat.
Noch markanter sind die Angaben zum Kreditmarkt: Während im Gesamtwirtschaftsgefüge die Berichte über schwierigere Kreditverhandlungen sanken (von 40,1 Prozent auf 32,8 Prozent), stieg der entsprechende Anteil bei Solo‑Selbständigen deutlich an. Zugleich nahm die Nachfrage nach Krediten unter den Selbständigen ab: Nur 7,8 Prozent verhandelten im dritten Quartal überhaupt einen Kredit (zuvor 9,3 Prozent). Das ist ein doppeltes Signal: weniger Kreditbedarf trifft auf höhere Hürden bei denen, die Finanzierung suchen.
Mögliche Ursachen und strukturelle Faktoren
Die Pressemitteilung des ifo‑Instituts nennt keine ausführliche Ursachenanalyse; sie liefert jedoch die Rohdaten, die Fragen an Marktteilnehmer und politische Entscheidungsträger aufwerfen. Banken begründen restriktivere Kreditvergaben üblicherweise mit gestiegenen Refinanzierungskosten, erhöhten regulatorischen Anforderungen sowie zunehmender Vorsicht gegenüber Schuldnern mit begrenzter Bilanzhistorie. Solche Erklärungen sind plausibel, wurden im ifo‑Text aber nicht im Detail empirisch belegt.
Hinzu kommen spezifische Risiken für Solo‑Selbständige: Viele von ihnen haben schwankendere Einkommensverläufe, geringere Sicherheiten und eine dünnere Bilanz als mittelständische Unternehmen. In Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit oder steigender Zinsen werden diese Schwächen von Kreditgebern stärker berücksichtigt. Parallel dazu können Banken ihre Standardprüfungen verschärfen, wodurch Verhandlungen häufiger scheitern oder nur zu schlechteren Konditionen zustande kommen.
Auch die sinkende Verhandlungsaktivität (von 9,3 auf 7,8 Prozent) kann als Reaktion auf schlechte Erfahrungen bzw. Erwartungen gedeutet werden: Wenn Selbständige Anzeichen sehen, dass Kreditgespräche erfolglos enden oder teuer sind, verzichten sie eher darauf. Das hat gesamtwirtschaftliche Implikationen, weil Investitionen und Liquiditätsreserven ausbleiben können.
Konsequenzen für Selbständige und die Wirtschaft
Erschwerter Kreditzugang trifft Solo‑Selbständige besonders hart, weil viele für Wachstum, Auftragsvorfinanzierung oder die Abfederung von Liquiditätsschwankungen auf Darlehen angewiesen sind. Wenn Kreditverhandlungen häufiger scheitern oder nur zu höheren Zinsen und strengeren Auflagen führen, verkleinert das die Spielräume der Betroffenen. Das kann zu geringeren Investitionen, verschobenem Personalaufbau oder auch zur Aufgabe von Geschäftsfeldern führen.
Für die Makroökonomie ist dies ebenfalls relevant: Kleinstbetriebe und Solo‑Selbständige machen in vielen Branchen einen nicht unerheblichen Anteil an Leistung, Innovation und Beschäftigung aus. Eine dauerhafte Kreditknappheit in dieser Gruppe kann Wachstums‑ und Beschäftigungseffekte dämpfen, besonders in Sektoren mit hoher Kleinunternehmensdichte wie Handwerk, Dienstleistung und Einzelhandel.
Was bekannt ist – und was nicht
Die veröffentlichten Zahlen sind belastbar insofern, als sie aus der ifo‑Umfrage stammen und von anderen Fachmedien sowie dem Verband der Gründer und Selbständigen (VGSD) übernommen wurden. Die Kernfakten – Indexänderung, 54,4‑Prozent‑Anteil für erschwerte Kreditverhandlungen im Quartal, Rückgang der Kreditverhandlungen auf 7,8 Prozent – sind dokumentiert und durch mehrere Quellen reproduziert.
Ungeklärt bleibt dagegen eine Reihe methodischer Details, die die Aussagekraft für tiefer gehende Analysen beeinflussen: Die Pressemitteilung nennt in der Kernfassung keine detaillierten Stichprobengrößen, keine Regional‑ oder Branchendekompositionen und nicht die exakte Formulierung der Kreditfragen. Das ifo‑Institut bietet an, diese Daten auf Anfrage zur Verfügung zu stellen. Für eine präzisere Darstellung von Langfristtrends oder zur Prüfung, ob der Anstieg auf einzelne Branchen konzentriert ist, sind die zugrundeliegenden Tabellen und das Fragewortlaut‑Protokoll notwendig.
Was Journalisten und Politik jetzt tun sollten
Redaktionen, die das Thema vertiefen wollen, sollten die vom ifo‑Institut angebotenen Detaildaten und das Frageprotokoll anfordern, wie die Pressemitteilung selbst empfiehlt. Nur so lassen sich Stichprobengrößen, Gewichtungsregeln und mögliche saisonale Effekte prüfen. Außerdem wäre es sinnvoll, Bankenseite, Gründerverbände und regionale Wirtschaftsförderungen zur konkreten Lagebefragung hinzuzuziehen, um qualitative Gründe für die Verschlechterung der Kreditbedingungen zu erheben.
Für die Politik stellen sich Fragen nach der gezielten Unterstützung von Kleinstunternehmen: Förderkredite, Bürgschaftsprogramme und Maßnahmen zur Verbesserung der Transparenz im Kreditentscheidungsprozess könnten kurzfristig helfen. Langfristig ist zu prüfen, ob regulatorische oder institutionelle Rahmenbedingungen für die Kreditvergabe an sehr kleine Unternehmer angepasst werden sollten, ohne jedoch systemische Risiken in den Bankbilanzen zu vernachlässigen.
IO SYNTHESE
ARTIKELANALYSE AUS DREI QUELLEN
ifo‑Pressemitteilung veröffentlicht am 8. Oktober 2026.
OPEN EVIDENCE ↗Jimdo‑ifo‑Geschäftsklimaindex für Solo‑Selbständige stieg von −19,7 (Aug) auf −18,8 (Sep) 2026.
OPEN EVIDENCE ↗54,4 % der Solo‑Selbständigen/Mikrounternehmen, die Kreditverhandlungen führten, berichteten im Q3 von erschwerten Bedingungen (vorher 44,8 %).
OPEN EVIDENCE ↗✓ QUELLEN UND DOKUMENTE
01 ifo Institut · Presse ↗02 ifo.de ↗03 ifo.de ↗Quellen zuletzt geprüft · 08.10.2026, 21:02Dieser Beitrag wurde von der ZEITUNG.IO Redaktion erstellt und geprüft. Bei neuen gesicherten Informationen wird er aktualisiert.